Matilde Capuis wurde 1913 in Neapel geboren und starb 2017 in Turin. Sie gewann viele Preise für ihre Kompositionen und schrieb Lieder, Kammermusik, Chor- und Orchesterwerke. Und drei Werke für Orgel: Preludio, Allegro und Fantasia. Entstanden im Jahr 1956 und 40 Jahre später bei Furore erschienen und dort heute noch erhältlich.
Es gibt eine Aufnahme der drei Stücke auf dem Album „Voci di donne“ der Organistin Francesca Ajossa; Stand Mai 2026 auch bei YouTube anhörbar.
Im Vorwort der Notenausgabe von Furore und auf der Furore-Website wird Matilde Capuis zitiert:
„Ein stiller Sommerabend. Über dem harmonisch wirkenden Platz wacht die schöne Kirche. Man geht hinein – Alles schweigt. Die letzten Sonnenstrahlen spielen mit den Farben der herrlichen Fensterscheiben. Die Gegenwart verschwimmt – Gedanken fließen ungestört. Beim Erwachen: der Wunsch für Orgel zu komponieren.“
Das Preludio ist das kürzeste der drei Stücke, sehr ruhig und spieltechnisch nicht allzu schwierig. Es empfehlen sich zwei Manuale, wobei das Stück auch auf einem Manual darstellbar ist – für die von der Komponistin gewünschten Crescendi und Diminuendi ist ein Schwellwerk oder eine ähnliche Spielhilfe nötig. Im Pedal gibt es zwei Takte, in denen das hohe e (e‘) vorkommt; ich würde aber, falls nur ein 27-töniges Pedal zur Verfügung ist, nicht auf dieses großartige Stück verzichten und an dieser Stelle umregistrieren oder oktavieren.
Für das Allegro genügt tatsächlich ein 25-töniges Pedal bis c‘ und im Manual gehen wir bis zum g“‘. Für die vielen verschiedenen Lautstärkeangaben, die Matilde Capuis für dieses Stück gemacht hat, würde ich es nicht auf einer allzu kleinen Orgel spielen. Außer zu meiner persönlichen Erbauung und weil ich gerne experimentiere.
Die Fantasia will ebenfalls auf einer großen Orgel gespielt werden: im Pedal brauchen wir einen Tonumfang bis g‘ und im Manual bis b“‘. Oder müssen sehr intelligent registrieren.
Die Werke machen sich ganz hervorragend in Konzertprogrammen für große Kirchen und entsprechende Instrumente, aber wer keine Orgel mit dem genannten Tonumfang zur Verfügung hat, wird am Preludio dennoch sehr viel Freude haben und mit ein paar klugen Anpassungen lässt sich auch das Allegro auf kleineren Instrumenten spielen.
Und für die Pianist*innen unter meinen Leser*innen empfehle ich den Sammelband „25 plus piano solo“ mit 27 Werken zeitgenössischer Komponistinnen, ebenfalls bei Furore erschienen. Von Matilde Capuis ist „Corale“ darin enthalten.