Etüdensammlung für Klavier


Etüden – kaum eine Werkart vereint so viel Begeisterung und Abneigung in sich. Das liegt nicht unbedingt an den Stücken an sich, sondern oft an der Art und Weise, wie sie im Unterricht genutzt werden. Aber es soll hier im Beitrag gar nicht um klavierpädagogische Erwägungen gehen, sondern um einen bei Peters (gehört nun zu Faber Music) neu erschienenen Sammelband mit Etüden von Komponistinnen (Edition Peters EP 20043).

Über die Etüden op. 50 von Louise Farrenc habe ich hier schon einmal geschrieben.

Kennengelernt hatte ich diese Werke durch Eva Meitner. Sie befasst sich seit geraumer Zeit mit Klavierwerken und auch mit Etüden von Komponistinnen und ist die Herausgeberin des neuen Sammelbands mit 42 Etüden für „mittleres bis fortgeschrittenes Niveau“ von 16 Komponistinnen. Die Zeitspanne reicht dabei vom 18. bis ins 20. Jahrhundert.

Vertreten sind

Agathe Backer Grøndahl (1847-1907)
Mathilde Berendsen Nathan (1857-1926)
Marie Bigot (1786-1820)
Mel Bonis (1858-1937)
Teresa Carreño (1853-1917)
Cécile Chaminade (1857-1944)
Louise Farrenc (1804-1875)
Fanny Hensel (1805-1847)
Marie Jaëll (1846-1925)
Kate Loder (1825-1904)
Henriette-Caroline Mennechet de Barival (1813-1861)
Hélène de Montgeroult (1764-1836)
Florence Price (1887-1953)
Clara Schumann (1819-1896)
Maria Szymanowska (1789-1831)
Elizabeth Turner (gest. 1756)

Ich hatte ja schon den ein oder anderen Sammelband in der Hand und nicht alle hielten, was sie versprachen.
Dieser Sammelband enttäuscht nicht! Er ist eine wunderbare Schatzkiste. Hervorragend aufbereitet, mit vielen Informationen sowohl zu den Komponistinnen als auch zu den Werken selbst. Gute Blätterstellen (das ist beileibe nicht selbstverständlich, leider) und ein gut zu lesendes Satzbild.

Und am Ende des Bandes sind alle Etüden noch einmal aufgelistet nach Themenfeldern. Ich kann also ganz leicht eine Etüde für Tonleitern finden, für Sprünge, für Oktaven, für Artikulation, Arpeggien und so weiter. Da steckt sehr viel Arbeit und Herzblut drin und ich bin ausgesprochen froh darüber, dass Eva sich dieser Aufgabe gestellt hat und mit dem Etüdenband eine wirklich empfehlenswerte Sammlung für Klavierlehrende und Lernende herausgegeben hat.

Ich schrieb eingangs, es solle in diesem Beitrag nicht um klavierpädagogische Erwägungen gehen. Aber ein paar Worte möchte ich dazu doch sagen. Häufig werden Etüden nur als Möglichkeit gesehen, die Finger zu bewegen. Klavierspiel ist jedoch weit mehr als das. Wir brauchen die Finger, Hände, den Arm, den Körper, keine Frage, aber wir brauchen auch unsere Ohren und unseren Kopf. Das, was wir musikalisch ausdrücken wollen, beeinflusst, wie wir die Tasten berühren. Ein Klavier ist keine Schreibmaschine und wir wollen Klavier spielen und nicht „Klavier arbeiten“. Die klangliche Gestaltung geht mit der Spieltechnik Hand und Hand. Übrigens von Anfang an und nicht erst „wenn die Technik klappt“!

Die Etüden, die Eva für diesen Sammelband ausgewählt hat, sind allesamt musikalisch hochwertig und laden dazu ein, eben nicht nur die Finger über die Tasten laufen zu lassen, sondern auch an Klangvorstellung und Ausdruck zu arbeiten: zu musizieren.

Eva beschreibt im Vorwort ihren persönlichen Zugang zu den Etüden und wer mit dem Band arbeitet, sollte stets genau hinhören und spüren, wie sich das jeweilige Stück anfühlt. Keinesfalls sollte so geübt werden, dass Verspannungen oder gar Schmerzen entstehen. Nicht jedes Stück liegt direkt gut in der Hand, manche Herausforderung will gemeistert werden, und nicht alles muss sofort klappen. Eine Etüde wieder wegzulegen und später erneut aufzugreifen ist durchaus erlaubt!

„Grundlegendes Etüdenrepertoire für Klavier“ ist der Untertitel des Sammelbands und ich finde, er gehört in jedes Regal von Klavierspielenden, und natürlich aufs Notenpult.


Beitrag veröffentlicht

in

,

von