Wer nicht zum ersten Mal auf meiner Website ist, weiß, dass ich nicht nur 15 Lieblingsstücke von Komponistinnen habe, aber 15 ist eine gute Zahl für mein neuestes Zine. Zines sind kleine Veröffentlichungen, meist in kleiner Stückzahl produziert, oder, so wie bei mir, zum Download und selbst ausdrucken und falten bereitgestellt. Eine Faltanleitung gibt es hier.
Wie für alle meine Texte, Noten und sonstige Werke gilt auch hier, dass ich die Nutzung zum Training von KI/genAI/LLMs und weiteren Tools nachdrücklich untersage!
Ausdrücklich erwünscht ist die Nutzung im Musik- und Instrumentalunterricht und ich stehe sehr gerne für Fragen und weitere Anregungen zur Verfügung.
Da im Zine (absichtlich) nicht viel Platz ist, ich jedoch weiß, dass weitergehende Informationen hilfreich sein können, stelle ich im Folgenden die 15 Stücke vor und gebe Hinweise, wo die Noten erhältlich sind.
In C-Dur steht „Organ on Rag“ von Carlotta Ferrari. Das Stück kann grundsätzlich auf einer einmanualigen Orgel gespielt werden, wirkt aber wesentlich besser, wenn mindestens zwei Manuale zur Verfügung stehen. Außerdem wird ein mindestens 25-töniges Pedal gebraucht. Der Tonumfang im Manual beträgt vier Oktaven.
In der Sammlung „Short Chorale Preludes“ findet sich ein Kanon über „O Gott du frommer Gott“ von Ethel Smyth in c-Moll. Auch hier ist eine einmanualige Orgel an sich ausreichend, sofern sie mindestens ein selbständiges Pedalregister hat. Mit angehängtem oder unselbständigem Pedal ist das Stück zwar spielbar, der Kanon ist aber nicht so gut zu hören. Dem Kanon vorangestellt ist eine Bearbeitung des Chorals, für die zwei Manuale nötig sind und ein mindestens 30-töniges Pedal.
Eines der schönsten Stücke für Orgel überhaupt ist „Adoration“ von Florence Price in D-Dur. Das Stück ist nicht besonders schwierig und eignet sich hervorragend, um den Umgang mit dem Schwellwerk zu üben (sofern vorhanden). Es lässt sich aber auch auf Orgeln ohne Schwellwerk spielen und sogar auf einem Manual, wenn die Melodie im ersten Teil eine Oktave höher gespielt wird.
Die Sammlung „La Nef Sacrée“ (op. 171) von Cécile Chaminade mag ich sehr gerne. Die Stücke eignen sich sowohl für Orgel als auch für Harmonium. Das „Offertoire au Christ-Roi“ in d-Moll kann ohne Pedal gespielt werden, ich spiele es allerdings mit Pedal, weil es mir so besser gefällt. Für die Klangfarben- und Lautstärkeänderungen empfiehlt sich eine Orgel mit mindestens zwei Manualen. Es gibt die Sammlung zum Download oder gedruckt bei B-Note.
Viele Stücke von Ann Mounsey Bartholomew können auf einer einmanualigen Orgel und sogar ohne Pedal gespielt werden. Für das Zine habe ich das Andante in Es-Dur ausgesucht, für das zwei Manuale und Pedal gebraucht werden. Die Solostimme kann mit Cremona oder Oboe gespielt werden oder mit ähnlichen Registern – es wäre schade, das Stück nicht zu spielen, nur weil es am vorhandenen Instrument keine Oboe gibt. Zu finden ist es im Band 1 „The Village Organist“, dort ist es die No. 45.
Von der französischen Komponistin Alice Sauvrezis kenne ich derzeit nur ein Stück für Orgel, den „Choral“ in E-Dur. Ich mag das Werk sehr gerne, weil es einerseits schlicht ist, andererseits aber zu vielen Gelegenheiten passt und einfach schön klingt.
Die unermüdliche Emma Louise Ashford hat ein Voluntary über den wunderschönen Choral „Abide with me“ in F-Dur geschrieben. Ich habe das Voluntary schon auf einmanualigen Orgeln gespielt, mit schnellen Registerwechseln; auf mindestens zwei Manualen ist das natürlich etwas bequemer. Die Noten finden sich im Sammelband „The Organist“ in Vol. 3 No. 4 auf den Seiten 14&15.
Viele Orgelwerke von Elfrida Andrée verlangen eine große Orgel mit drei Manualen. Es gibt aber eine wunderschöne Fuge in f-Moll, die sogar auf einem Manual spielbar ist (sofern ein mindestens 25-töniges Pedal vorhanden ist) und auf Orgeln mit nur vier Oktaven Manualumfang. Die Fuge ist in einem Sammelband aus dem Wessmans Musikförlaget erschienen.
Das „Moderato“ in G-Dur der englischen Komponistin und Organistin Elizabeth Stirling ist ein Stück, das ich sehr gerne als Postludium im Gottesdienst spiele. Es wirkt auf kleinen wie großen Instrumenten gleichermaßen und passt zu vielen Anlässen. Zu finden ist es in einem (möglicherweise nicht mehr überall erhältlichen) Sammelband von Vivace Press, und bei IMSLP in einer alten Ausgabe „6 Pedal Fugues and 8 Other Movements“.
Eine der tollsten Orgeltoccaten, die jemals geschrieben wurden, ist die Toccata in g-Moll von Mel Bonis. Ursprünglich für drei Manuale gedacht, funktioniert sie auch auf kleineren Instrumenten. Ich habe sie sogar schon auf einem Manual gespielt (Mel wird es mir hoffentlich verzeihen). Es wird aber auf jeden Fall Pedal gebraucht. Ich spiele die Werke von Mel Bonis am liebsten aus der bei Fortin-Amiane erschienenen Ausgabe, aber die ist schwer zu bekommen. Die Toccata findet sich auch im Nachdruck der Carrara-Ausgabe bei B-Note.
Wer eine Orgel mit Schwellwerk hat, wird viel Freude an einem kurzen Stück von Maria Gary in As-Dur haben: „Moderato“, manualiter zu spielen, und enthalten im Band „Sieben kleine Vortragsstücke“, erschienen bei Certosa. Transparenzhinweis: ich bin die Herausgeberin des Bandes.
Ein weiteres manualiter-Stück ist das wunderbare Offertoire „Fili dei, te rogamus audi nos“ in a-Moll von Hedwige Chrétien. Es ist enthalten in Band 3 der „Harmonies religieuses“. Eine einmanualige Orgel ist grundsätzlich ausreichend, jedoch lohnt es sich, mit den Möglichkeiten der Klanggestaltung bei mehrmanualigen Orgeln gerade bei diesem Stück einmal „herumzuspielen“.
Erst kürzlich habe ich durch die Recherchetätigkeit meines Kollegen Jeff Watson in den USA das Geburtsjahr von May F. Lawrence erfahren. Einen Teil ihrer Werke kenne ich aus den Sammelbänden „The Organist“ und spiele sie regelmäßig im Gottesdienst. Für das Zine habe ich das „Prelude“ in A-Dur ausgewählt, das sich in Vol. 24 No. 5 auf den Seiten 3-5 findet. Auch wenn es kein adventliches Stück ist, spiele ich es besonders gerne im Advent.
Die Komponistin Theophania Cecil lernte ich durch meine englische Kollegin Morwenna kennen. Die meisten ihrer Voluntaries benötigen zwei Manuale, und Pedal nach Wunsch und Können der Ausführenden. Mein Favorit ist das Voluntary in B-Dur. Ein oder zwei gut klingende Solo-Register sind ein Muss.
In H-Dur steht das kurze Stück „Communion“ der belgischen Komponistin Juliette Folville. Es ist bei IMSLP verfügbar. Ein inzwischen verstorbener Kollege hatte das Stück einmal gesetzt und mir eine Kopie überlassen; dort ist die Pedalstimme ausnotiert. In der (Stand September2026) Version bei IMSLP ist die Pedalstimme mit im zweiten System notiert und das Stück wäre so auch manualiter bzw. auf dem Harmonium spielbar. H-Dur liegt ziemlich gut in der Hand und ich kann das Stück wirklich empfehlen.
Und nun wünsche ich viel Spaß beim Falten des Zines und beim Entdecken und Spielen meiner Lieblingsstücke!